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Dieser Artikel wurde in der
Fachzeitschrift "Der neue Apotheker" im veröffentlicht und wird hier mit freundlicher Genehmigung abgedruckt. Autor: Dr.Irene Promussas |
Das
Klimakterium umfaßt den Zeitraum im Leben einer Frau, in dem die körpereigene
Produktion der Sexualhormone (Östrogene und Gestagene) nachläßt und sich die
Fähigkeit zur Fortpflanzung zurückbildet.
Die letzte
Regelblutung oder Menopause ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende der
Wechseljahre, wohl aber mit dem Ende der Fruchtbarkeit.
Medizinisch
werden drei Phasen der Wechseljahre unterschieden:
1. In der Prämenopause, etwa ab dem 40. Lebensjahr, kündigt sich das Klimakterium allmählich
an. Typische erste Beschwerden sind Blutungsunregelmäßigkeiten.
2. Der Begriff Menopause bezeichnet die allerletzte Regelblutung. Zur Sicherheit wartet
man noch ein Jahr ab, bevor man davon ausgehen kann, daß es sich tatsächlich
um die Menopause handelt.
3. Die Postmenopause umreißt das Jahrzehnt nach der Menopause. Nun werden in den
Eierstöcken immer weniger Östrogene und Gestagene gebildet, bis die Produktion
vollständig eingestellt wird.
Die Wechseljahre können auch künstlich herbeigeführt werden, wenn die Ovarien
einer Frau operativ entfernt werden mußten. Es kommt dann aufgrund der
fehlenden Hormondrüsen zu den typischen Wechseljahrbeschwerden.
Die Östrogene fassen eine Gruppe von mindestens dreißig Substanzen zusammen, von denen die
bekanntesten Östradiol, Östron und Östriol sind. Sie werden vorwiegend in den
Follikelzellen des Eierstocks produziert, in geringen Mengen auch in den Körperfettzellen.
Aufgaben der Östrogene sind
Ausbildung der weiblichen Fortpflanzungsorgane in der Pubertät
Entwicklung weiblicher sekundärer Geschlechtsmerkmale
Steuerung der ersten Hälfte des weiblichen Zyklus
Senkung des Cholesterinspiegels und der Triglyzeride
Stabilisation der Wärme- und Kreislaufregelung des Gehirns
Förderung der Erweiterung der Blutgefäße und damit der Körperdurchblutung
Förderung der Proteinbiosynthese und der Wassereinlagerung des Körpergewebes
Förderung von psychischer Ausgeglichenheit und gesundem Schlaf
Verringerung des Appetits und des Körpergewichts
Erhöhung der Konzentration und der psychomotorischen Fähigkeiten
Hemmung des Knochenabbaus
Progesteron hingegen
wird vor allem in der zweiten Zyklushälfte gebildet
bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor
wirkt mit Östrogen zusammen schwangerschaftserhaltend
unterdrückt während der Schwangerschaft die Bildung weiterer Eizellen
senkt die Wasserbindungsfähigkeit des Körpers wirkt ebenfalls psychisch und physisch entspannend sowie schlaffördernd
steigert den Appetit und die Körpertemperatur
Auch Androgene sind Bestandteile des weiblichen Hormonhaushalts (und vice versa), im
speziellen Testosteron, Androstendion, Androsteron und Dehydroepiandrosteon (DHEA).
Die Frau produziert sie in kleinen Mengen in den Ovarien und in der
Nebennierenrinde. In den Wechseljahren nimmt der Einfluß der Androgene zu, ein
Teil davon wird in Östrogene umgewandelt. Erhöhtes aggressives Verhalten und
sexuelles Verlangen sind häufig beobachtete Nebeneffekte des erhöhten
Androgenspiegels im Klimakterium.
Obwohl es
sich bei den Wechseljahren um einen völlig natürlichen Prozeß handelt, ist
die Sensibilisierung für die damit verbundenen möglichen Beeinträchtigungen
wohl auch zum Teil dem heute modernen Anti-Aging-Zeitalter zuzuschreiben. Nicht
jede Frau ist zwangsläufig von den folgenden typischen Beschwerden betroffen:
Menstruationsbeschwerden
Hitzewallungen
Schlafstörungen
depressive Verstimmungen
sexuelle Probleme („trockene Scheide“)
Inkontinenz
Haut-, Haar- und Gewichtsprobleme
Besondere
Risiken mit echtem Krankheitswert stellen die Osteoporose und
Herz-Kreislauferkrankungen dar. Die Osteoporose wird als direkte Folge des
absinkenden Hormonspiegels gesehen. Eine gesunde Lebensführung hinsichtlich Ernährung
und Bewegung, die idealerweise schon in jüngeren Jahren automatisiert wurde,
stellt eine echte Maßnahme zur Vorbeugung und Verzögerung von altersbedingten
Prozessen dar. Es empfiehlt sich außerdem die Einnahme von mindestens 1000 mg
Calcium, am besten kombiniert mit Vitamin D3.
Als Therapien gegen die zahlreichen Beschwerden bieten sich an:
nicht-medikamentöse Hilfen
Hormon-Ersatztherapie, oder hormonfreie pflanzliche Arzneimittel
Da die
Beschwerden sehr subjektiv wahrgenommen werden, ist es ratsam, mit Hilfe eines
Vertrauensarztes die eigene ideale Therapie herauszufinden.
Zu den
nicht-medikamentösen Hilfen, die auf jeden Fall angewandt werden können, zählen
gesunde Ernährung, Fitness, Gleithilfen beim Sex, Wechselbäder und
Beckenbodengymnastik, eventuell auch eine begleitende Psychotherapie.
Die in den
letzten Jahren umstrittene Hormonersatztherapie besteht im Allgemeinen aus einer
Hormon-Substitution mit Kombinationspräparaten aus einer Östrogen- und einer
Gestagenkomponente, die für viele Frauen aufgrund ihrere Anamnese ohnehin tabu
ist (z.B. bei Lebererkrankungen, hormonabhängigen Tumoren, Otosklerose,
Diabetes mellitus, Hypertonie, Migräne, Sichelzellenanämie u.a.).
Befürworter
dieser Therapie verwiesen lange Zeit auf gewisse Schutzfunktionen für das
Herz-Kreislaufsystem und das Gehirn. Jüngsten Erkenntnissen zufolge werden
diese Schutzfunktionen wieder in Frage gestellt, während man auf zusätzliche (Krebs-)risiken
hinweist. Auch sollten Östrogen-Gestagen-Komoponenten bei postmenopausalen
Frauen zur Vorbeugung der Osteoporose nicht mehr angewandt werden. Wenn aus
medizinischer Sicht oder aufgrund eines hohen Leidensdruckes der Patientin eine
Hormonersatztherapie überhaupt angewandt werden sollte, dann sollte die
Anwendungsdauer so kurz wie möglich gehalten werden (idealerweise 1 – 2
Jahre) und vorzugsweise topisch anzuwendende Arzneimittel in Betracht gezogen
werden.
In den
letzten Jahren ist ohnehin ein starker Trend hin zu pflanzlichen Therapien zu
beobachten. Bei den pflanzlichen Mitteln sollte zwischen denen mit hormonähnlicher
Wirkung und denen ohne unterschieden werden. Erstere sind die sogenannten Phytoöstrogene,
die sich in zahlreichen Soja-Rotklee-Präparaten finden. Ihre Wirksamkeit liegt
Studien zufolge zwischen denen von Placebos und echten Hormonersatzpräparaten;
hier sind weitere Forschungen sicher vonnöten. Die Erkenntnis, daß asiatische
Frauen aufgrund ihres hohen Soja-Eiweiß-Konsums viel seltener unter typischen
Klimakteriumsbeschwerden leiden, sowie der Beweis, daß von den enthaltenen
Isoflavonen die gleichen Hormonrezeptorstellen besetzt werden, ließen einen
regelrechten Boom entstehen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob diese Präparate
immer empfohlen werden können, wenn Frauen eine alternative Therapie zur
Hormonersatztherapie suchen.
Für
Frauen, die absolut keine Hormone einnehmen möchten, empfehlen sich Produkte
mit dem Wirkstoff der Traubensilberkerze (z.B. Remifemin und Remifemin plus mit
zusätzlichem Hypericin gegen die psychischen Beschwerden des Klimakteriums).
Cimicifuga racemosa, die Traubensilberkerze, gehört zur Familie der Hahnefußgewächse,
genauer gesagt zur Unterfamilie der Heleboroidae. Heimisch ist sie sowohl in
Nordamerika (vor allem Kanada) als auch in Europa und Nordasien. Der Name leitet
sich her von lateinisch cimex=
Wanze und fuga = Flucht (daher die volkstümliche Bezeichnung Wanzenkraut –
tatsächlich besitzt sie wanzenvertreibende Eigenschaften), sowie racemus =
Traube.
Schon
nordamerikanische Indianerstämme nutzten Extrakte von Cimicifuga racemosa bei
unterschiedlichsten Erkrankungen wie zum Beispiel bei Rheuma, Muskel-, Gelenks-
und Nervenschmerzen, aber auch schon bei gynäkologischen Erkrankungen und
klimakterischen Beschwerden. Im 18. Jahrhundert wurde sie in England zur
Wehenanregung empfohlen.
Die
medizinischen Wirksubstanzen der Traubensilberkerze sind die Triterpenglykoside
Actein und Cimigosid. Weiters wurden aus dem Wurzelstock Isoferulasäure,
Salicylsäure, Tannine, Harze, Fettsäuren und Zucker isoliert. Es wird davon
ausgegangen, daß der gesamte Wirkstoffkomplex von Bedeutung ist, und nicht
einzeln isolierte Substanzen.
Die
Inhaltsstoffe von Cimicifuga racemosa wirken neuesten Erkenntnissen zufolge
nicht hormonidentisch, sondern gehören zu den sog. SERM-Substanzen (selektive
Östrogen Rezeptoren Modulatoren). Die Wirkung erfolgt nur gewebespezifisch an
bestimmten Stellen des Körpers und nicht grundsätzlich.Dies könnte erklären,
warum die Traubensilberkerze positive Effekte auf hormonabhängige Beschwerden
in den Wechseljahren zeigt, während unerwünschte Nebenwirkungen auf Gebärmutterschleimhaut
und Brustgewebe bisher nicht dokumentiert sind. Aufgrund dieser Eigenschaften
stellt die Traubensilberkerze möglicherweise eine echte Alternative zu hormonähnlichen
Therapien dar.
Es
ist von großer Bedeutung, daß Frauen die Wechseljahre als eine von der Natur
vorgesehene Veränderung ihres Körpers annehmen können. Die Angst vor der Vergänglichkeit
von Jugend und Schönheit quält viele Betroffene, ist aber nur ein Teilaspekt
dieser Lebenszeit. Frauen, die prinzipiell ein positives Verhältnis zu ihrer Körperlichkeit
haben, berichten oft von einer neuen, reifen und stärkeren Empfindungsfähigkeit
und können den Wechseljahren durchaus genußvolle und sinnliche Freuden
abgewinnen. Beschwerden sollten dennoch nicht totgeschwiegen und Hilfe
angenommen werden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, ein gesundes
Vertrauensverhältnis zum Arzt sowie eine bewußte Lebensgestaltung können Ängste
vermindern und diese Lebenszeit zu einer ganz besonderen machen.