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Dieser Artikel wurde in der
Fachzeitschrift "Der neue Apotheker" veröffentlicht und wird hier mit freundlicher Genehmigung abgedruckt. Autor: Dr.Irene Promussas |
Migräneattacken treten anfallsartig auf und
können die Betroffenen für Stunden bis Tage außer Gefecht setzen.
Die Ursachen
sind mangelhaft erforscht, die Therapie ist unbefriedigend.
Als Migräne wird ein vasomotorischer,
pulsierender, meist halbseitig auftretender Kopfschmerz bezeichnet, der häufig
in den frühen Morgenstunden auftritt und mehrere Stunden bis Tage andauern
kann. Sehr oft wird Migräne von vegetativen Symptomen wie Übelkeit und
Erbrechen, sowie Photophobie und Hyperacusis begleitet. Auch neurologische
Ausfälle und visuelle Symptome sind bekannt. In schweren Fällen ist eine
sogenannte Aura möglich. Als solche bezeichnet man alle Variationen
sensorischer, vegetativer und psychischer Wahrnehmungen unmittelbar vor einem
Anfall, auch in der Epilepsie. Betroffen sind etwa 10 – 20 Prozent der
Bevölkerung, davon fast doppelt soviel Frauen wie Männer.
Die Ursachen sind kaum bekannt, genetische
und Umweltfaktoren in der Literatur unzureichend erforscht und beschrieben.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine Vasokonstriktion der Hirngefäße.
Tatsächlich schmerzt aber die auf die Konstriktion folgende Vasodilation der
Gefäße. Auslösende Faktoren lassen sich nur aufgrund der Berichte und
Aufzeichnungen Betroffener ermitteln. So werden häufig psychische Belastungen
genannt. Wetterfühligkeit ist ein Thema, ebenso bestimmte Nahrungs- und
Genußmittel (Käse, Rotwein, Schokolade), aber auch Medikamente. Auch
Spannungszustände wie das chronische Cervikalsyndrom – das ja wiederum mit
seelischen Belastungen Hand in Hand geht – können Migräneattacken auslösen. Die
Diagnose ist entsprechend schwierig zu erstellen, maximal sind im EEG
unspezifische Veränderungen zu erkennen. Am ehesten gelangt der aufmerksame und
einfühlsame Mediziner zur richtigen Diagnose, wenn er den Patienten / die
Patientin ein Tagebuch führen läßt, in dem Zeitpunkt des Anfalls,
Nahrungsmittel, wiederkehrende Gewohnheiten etc festgehalten werden.
Immerhin existiert seit 1988 eine
Klassifikation
nach der internationalen Headache Society.
Demnach unterscheidet
man folgende Migränetypen:
1. Migräne
ohne Aura
2. Migräne
mit Aura
2.1 Migräne
mit typischer Aura
2.2 Migräne
mit prolongierter Aura
2.3 familiäre
hemiplegische Migräne
2.4 Basilarismigräne
2.5 Migräneaura
ohne Kopfschmerz
2.6 Migräne
mit akutem Aurabeginn
3. Ophtalmoplegische
Migräne
4. retinale
Migräne
5. periodische
Syndrome in der Kindheit als
mögliche Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer
Migräne
5.1 gutartiger
paroxysmaler Schwindel in der Kindheit
5.2 alternierende
Hemiplegie in der Kindheit
6. Migränekomplikationen
6.1 Status migraenosus
6.2 migränöser
Infarkt
7. migräneartige
Störungen,
die nicht die obigen Kriterien erfüllen
Rein schulmedizinisch besteht die Therapie,
die erschwert ist durch die Variabilität und die unterschiedlichen
Reaktionen
von Migräne-PatientInnen, in der Analgetikagabe im Akutstadium,
bzw. in der
Applikation von Ergotaminen (Mutterkornalkaloiden) und Triptanen.
Der Name
leitet sich von seiner eigentlichen Bestimmung her:
Ursprünglich wurden Mutterkornalkaloide
dazu benutzt,
die Konstriktion des Uterus post partum zu stimulieren.
Secale cornutum, das Mutterkorn, ist als
Pilzmyzel der Gattung Claviceps purpurea zu finden.
In der Struktur des
enthaltenen Alkaloids, die sich von der Lysergsäure ableitet,
sind die
Grundstrukturen von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin enthalten.
Die Wirkung
erfolgt über alpha-Rezeptorenstimulation, aber auch -blockade.
Wirksubstanzen
dieser Arzneimittelgruppe und ihre verschiedenen Anwendungen sind wie folgt:
Dihydroergotoxin:Antihypertensivum
Dihydroxyergotamin:Thromboseprohylaxe
Ergotamin (z.B. Avamigran):Mittel der Wahl bei akuter Migräne
Bromocriptin:M. Parkinson, Hyperprolaktinämie,
Akromegalie
Ergometrin
und Methylergometrin:post partum
gegen Nachblutungen des Uterus
Methysergid:prophylaktisch
gegen Migräne im anfallsfreien Zwischenintervall
In kombinierten Arzneispezialitäten findet
sich häufig auch Coffein (z.B. Cafergot, Migradon).
Coffein verbessert die
intestinale Resorption des
Secale Alkaloids und hat auch selbst tonisierende
Wirkung auf die Cerebralgefäße.
In den Neunziger Jahren verfestigte sich
die Hypothese, daß 5-Hydroxytryptamin
(= 5-HT,= Serotonin) einen Schlüsselmediator in der
Pathogenese der Migräne darstellt.
In der Folge wurden 5-HT Rezeptor Agonisten
zur hauptsächlichen Akutbehandlung der Migräne herangezogen.
Diese Hypothese
basiert auf Labornachweisen:
1. Plasma- und Plättchen-Konzentrationen
von 5-HT variieren mit den unterschiedlichen Verlaufsphasen der Migräneattacke.
2. Konzentrationen von 5-HT und seinen
Metaboliten werden nach den meisten Migräneanfällen im Urin Betroffener
nachgewiesen.
5-HT wird in mehrere Untergruppen
unterteilt, für die Therapie der Migräne sind von Bedeutung die 5-HT1-Rezeptor
Agonisten, die sogenannten Triptane. Die Anwendung der Triptane in der akuten
Migränetherapie führte wissenschaftlich zu signifikanten Fortschritten in der
Migräneforschung. Vor allem die Herabsetzung der unangenehmen Nebenwirkungen
der Ergotamine, Nausea und Erbrechen, erwies sich als bahnbrechender Vorteil.
Weltweit bekannt sind derzeit die Substanzen Sumatriptan (Imigran, Astra
Zeneca), Zolmitriptan (Zomig, ebenfalls Astra Zeneca), Naratriptan und
Rizatriptan.
Auch die Homöopathie bietet einige
Wirksubstanzen zur Migränetherapie an:
Spigelia steht für periodisch
wiederkehrenden Schmerz mit stechendem Charakter und ist ein linksseitig
wirkendes Mittel. Nux vomica hilft bei angiospastischer Migräne des reizbaren
Neurathenikers. Weiters sind Thuja, Apis und Belladonna zu empfehlen.
Aus ganzheitlicher Sicht handelt es sich
bei Migräne immer um ein Verspannungs- und Übersäuerungssyndrom. Möglicherweise
dürfen bestimmte Gefühle nicht fließen. Neben Entsäuerungsmaßnahmen (hohe
Flüssigkeitszufuhr, Basenpulver, Basenbad) ist es immer lohnend, die wahren
Ursachen der Anspannung herauszufinden, Meridiane energetisch zu ordnen
(Akupunktur, cranio-sakrale Ostheopathie), und Lebensumstände zu verändern,
damit Lebensenergie wieder fließen kann.