Dieser Artikel wurde in der Fachzeitschrift 
"Der neue Apotheker" veröffentlicht
und wird hier mit freundlicher Genehmigung abgedruckt.
Autor: Dr.Irene Promussas


Koronare Herzkrankheit

Lange bevor die ersten Symptome und Warnzeichen auftauchen, können mittels EKG Durchblutungsstörungen nachgewiesen werden. Ein Überblick über die Krankheitsbilder der koronaren Herzkrankheit.

Die drei Krankheitsbilder der koronaren Herzkrankheit, auch degenerative oder ischämische Herzerkrankung genannt, sind die Angina pectoris, die Linksherzinsuffizienz und der Myocardinfarkt.

Einengung und Verschluß von Herzkranzgefäßen führt zur Verminderung der Durchblutung. Dadurch entsteht ein Mißverhältnis zwischen Angebot und Bedarf von energieliefernden Substraten und Sauerstoff. Dieses Mißverhältnis kann sich unter Belastung manifestieren, die Koronarreserve wird herabgesetzt. Die häufigste Ursache für den Gefäßverschluß ist eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße.

Als Risikofaktoren für diese in der westlichen Welt weit verbreiteten Krankheitsbilder gelten in strenger Rangfolge die signifikante Hypercholesterinämie, der Nicotinabusus und die arterielle Hypertonie. Als weitere Ursachen werden Diabetes mellitus, Hyperurikämie, Übergewicht und psychosozialer Streß diskutiert.

Die Diagnose wird gestellt durch ein Belastungs-EKG (Fahrradergometrie) bzw. durch Koronarographie. Die Differentialdiagnose ergibt sich durch Unterscheidung der Schmerzlokalisation, Dauer des Anfalls und Ansprechbarkeit auf Nitrite, die in der Folge noch näher beschrieben werden.

Die Angina pectoris (akute Koronarinsuffizienz) ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzende Schmerzen im Brustkorb, meist retrosternal, die Sekunden bis Minuten anhalten und meist in die linke Schulter-, Hand-, Arm-, aber auch Hals- und Unterkiefer-Region ausstrahlen. Gürtelförmiges Engegefühl um den Brustkorb mit Atemnot und Erstickungsanfällen bis hin zu Vernichtungsgefühl und Todesängsten werden beschrieben. Auslöser können Aufregungen, Kälte und körperliche Anstrengungen sein. Klinisch unterscheidet man die stabile Angina, die nur bei körperlicher Belastung auftritt, von der instabilen, die durch neu auftretende Schmerzen auch schon in Ruhe gekennzeichnet ist und als potenzielle Vorstufe eines Herzinfarkts gilt. Eine Sonderform ist die Prinzmetal Angina, für die Koronarspasmen typisch sind. Generell ist die Angina pectoris nicht Ausdruck einer beginnenden Koronarerkrankung, sondern Zeichen einer kritischen Stenose!!

Die akuten Symptome der Angina pectoris sprechen sehr gut auf Nitroglyzerin an, weiters wird mit Betarezeptorenblockern und Calciumantagonisten therapiert bzw. ein aortokoronarer Bypass gelegt.

Unter Linksherzinsuffizienz versteht man eine Form der Herzinsuffizienz mit unzureichender Leistung des linken Ventrikels infolge einer Kontraktionsschwäche des Myocards und daraus resultierender Volumenüberlastung des kleinen Kreislaufs. Ursachen können neben der Koronaren Herzkrankheit angeborene oder erworbende Herzfehler sein, sowie Kardiomyopathie, Hypertonie, aber auch der Herzinfarkt selbst. Typische Symptome sind Dyspnoe infolge von Lungenstauung, Orthopnoe, Zyanose und Stauungsbronchitis mit Reizhusten, nächtliches Asthma cardiale und Lungenödem. Die Diagnose wird über EKG und Thoraxröntgen gestellt, in dem eine Linksherzverbreiterung erkennbar ist. In der Therapie kommen ACE-Hemmer, Diuretika, Digitalis, positiv inotrope Substanzen und Isosorbidnitrat zum Einsatz.

Beim Herzinfarkt (Myocardinfarkt) handelt
es sich um eine akut auftretende Komplikation bei chronischer koronarer Herzkrankheit, die zur Nekrose eines umschriebenenen Herzmuskelbezirks führt. Die unmittelbare Ursache besteht in einer anhaltenden kritischen Mangeldurchblutung bei Koronarinsuffizienz, die sich durch körperliche oder psychische Belastung manifestieren kann infolge von Steigerung des Sauerstoffbedarfs des Herzmuskels oder thrombotischen Verschlusses eines Koronargefäßes. Man unterscheidet zwischen transmuralem und nichttransmuralem Herzinfarkt. Die klinischen Symptome sind ähnlich der der Angina pectoris, jedoch werden die Schmerzen in der Ruhe länger als 15 bis 30 Minuten und viel intensiver erlebt. Leitsymptom ist ein schweres Druckgefühl hinter dem Brustbein mit ausstrahlenden Brustschmerzen; Angst und Vernichtungsgefühl gehen einher. Der Blutdruck ist häufig niedrig, Blässe, kalter Schweiß und kleiner Puls sind typisch. Die Gefahr eines plötzlichen Herztodes ist durch die Komplikationen des Infarktes begründet: Herzrhythmusstörungen, Kammertachykardie, Bradykardie, Wandruptur mit Beuteltamponade oder kardiogener Schock können schon im Frühstadium auftreten.

Die Diagnose wird nicht nur durch das
klinische Bild bestimmt, sondern vor allem durch das EKG mit seinen ganz spezifischen Zacken. Außerdem wird die Enzymdiagnostik herangezogen: Im Verlauf eines Infarktes kommt es zu typischen Serumkonzentrationserhöhungen der herzmuskelspezifischen Isoenzyme. Nach der Ersttherapie mit Nitroglyzerin ist eine sofortige Klinikeinwesung mit intensivmedizinischer Überwachung geboten. Calciumantagonisten, Antiarrhythmika sowie Antihypertensiva und Nitropräparate sind die Therapie der Wahl.

Da eine Auflistung aller Kardiologica hier den Rahmen sprengen würde, seien die wichtigsten genannt:
ACE-Hemmer: Hemmstoffe des Angiotensin Converting Enzymes, hemmen die Umwandlung von Angiotensin I durch ACE in das blutdruckwirksame Angiotensin II, z.B. Captopril, Enalapril, Ramipril.

Organische Nitrate (Nitroglyzerin, Isosorbiddinitrat, Isosorbidmononitrat): relaxieren die glatte Muskulatur, erweitern venöse Kapazitätsgefäße mit nachfolgender Senkung der Vor- und Nachlast des Herzens, was zu einer Verminderung des Sauerstoffbedarfs des Herzens führt.

Ca-Antagonisten hemmen den Einstrom von Ca in die Zelle, es kommt zu einer Verminderung des Tonus der Gefäßmuskulatur, der Kontraktilität des Herzmuskels und des Sauerstoffverbrauchs, z.B. Diltiazem, Gallopamil, Verapamil.

Betarezeptorenblocker (Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol) vermindern die Kontraktilität und die Herzfrequenz durch Hemmung der Reizbildung.

Als Antiarrhythmika werden verschiedene Gruppen von Substanzen zur Behandlung von insbesondere ventrikulären Herzrhythmusstörungen bezeichnet. Sie werden nach ihrer Wirkung in bestimmte Klassen eingeteilt, allen voran die Natriumkanalblocker, die sich ihrerseits wieder in drei Untergruppen aufgliedern. Natrium Blockade bewirken zum Beispiel Chinidin, Procainamid, Lidocain und Phenytoin. Außerdem gehören zu dieser Gruppe noch Betarezeptorenblocker, Substanzen, die selektive Repolarisationsverlängerung bewirken (Amiodaron, Sotalol) und Calciumantagonisten.

Digitalisglykoside sind herzwirksame Substanzen aus Fingerhut, Meerzwiebel und Maiglöckchen, die die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur fördern. Die Wirkungsweise erfolgt über die Hemmung der Membran ATPase des Herzens.

Koronare Herzerkrankungen, speziell die Angina pectoris, können durch adjuvante homöopathische Arzneien unterstützt und begleitet werden.

Crataegus, der auch als pflanzlicher Auszug in der Therapie koronarer Herzerkrankungen bekannt ist, eignet sich hervorragend zur Behandlung des myasthenischen Altersherzens sowie bei essentieller arteriosklerotischer Hypertonie, aber auch bei der Coronarinsuffizienz selbst. Bei Angina pectoris ist Crataegus vor allem als prophylaktisches Intervallmittel zu empfehlen: Es steigert die Herzdurchblutung und setzt damit die Anfallsbereitschaft herab. Außerdem sensibilisiert es das geschädigte Myocard gegenüber Digitalisglykosiden, die Reaktivität auf Glykoside wird gesteigert.

Cactus ist eines der wichtigsten homöopathischen Arzneimittel bei Stenocardie. Die Wirkung entspricht mehr den Nitriten als den Glykosiden. Es wird bei Angina pectoris, Endo- und Myocarditis sowie bei Claudicatio intermittens angewandt.

Iberis amara, der Bauernsenf, wirkt auf das Reizleitungssystem des Herzens, auf die Kranzgefäße, den Herzmuskel und den peripheren Kreislauf. Es wird von Stiegele (1955) in seiner Klinischen Homöopathie mit einem besonderen Kapitel bedacht. Er schreibt Iberis eine positiv inotrope und positiv chronotrope Wirkung auf das Herz zu.

Spigelia, ein Mittel, das auch bei Neuralgien und Migräne eingesetzt wird, hat sich auch bei Pericarditis und Endocarditis rheumatica bewährt.

Kalium carbonicum ist ein Klassiker bei muskulärer Herzmuskelschwäche mit Ödemneigung. Herzangst und Herzstiche sowie Atemnot und Erschöpfung nach geringsten Anstrengungen können gut damit behandelt werden. Es wird vorwiegend bei älteren Patienten eingesetzt.

Alle genannten Homöopathica sind auch als Komplexmittel (zum Beispiel Similisan Herz Kreislauftropfen) erhältlich.

Vorbeugender Herzschutz ergibt sich aus der Vermeidung der genannten Risikofaktoren!

Abgesehen von Erbfaktoren und organischen Erkrankungen kann man schon früh damit beginnen, durch gesunde Ernährung mit möglichst wenig tierischen Fetten, Nikotinabstinenz, Vermeidung von Alkoholabusus und ausreichende Bewegung der koronaren Herzerkrankung entgegenzuwirken. Auch die Seele sollte nicht vergessen werden, schließlich zählt auch jahrelanger psychischer Streß zu den Risikofaktoren.