Die Geschichte der plastischen Chirurgie
Der Aufgabenbereich
Die
plastische Chirurgie hat die Aufgabe, die Funktion eines Organs wiederherzustellen oder durch Verletzungen entstandene
Entstellungen zu beheben. Die Menschen mit äußerlich sichtbaren Entstellungen
sind meist dem dauernden Mitleid oder sogar Hänseleien
ihrer Umwelt ausgesetzt, was auf Dauer zu schweren seelischen
Störungen führen kann. Der Tätigkeitsbereich
der plastischen Chirurgie erstreckt sich heute auf den ganzen Körper,
wobei besonders die Wiederherstellung der Hand und ihrer Beweglichkeit
ungeahnte Triumphe feiert.
Wie alles begann Prinzipien der plastischen Chirurgie Die Stiellappenplastik Die
Die freie Transplantation
Die freie Transplantation ist ein relativ einfaches Verfahren zur schnellen Abdeckung großer oberflächlicher Gewebsverluste, wie sie z.b. bei Verbrennungen vorkommen. Diese Technik ist nicht anwendbar, wenn das Empfängergebiet ungenügend durchblutet ist. Umfangreiche Gesichtsplastiken lassen immer zu wünschen übrig, wenn das Transplantat nicht groß genug ist, um die normale äussere Form des behandelten Gebietes wiederherzustellen. Auch kann es farbliche Unterschiede geben. Deshalb bemüht man sich, im Gesicht die Haut des Kopfes oder Halses zu verwenden. Die Hautlappen werden je nach Art der Plastik in verschiedener Schichtdicke entnommen. Sie wachsen besser an, wenn das Transplantat frei von Unterhautfettgewebe ist. Man entnimmt deshalb dünne Lappen, um die Regenerationsfähigkeit optimal zu erhalten. Am Auflageort bildet sich dann eine neue Epithelschicht. Um Hautlappen von großer Ausdehnung zu entnehmen, verwendet man ein Spezialskalpell oder das Dermatom, wobei beide Instrumente so eingestellt werden können, daß das Hautstück genau die gewünschte Dicke hat. Mit dem Dermatom lassen sich Hautflächen bis zu 80 Quadratzentimeter in einem Zug ablösen. Ein anderes Instrument, das Elektrodermatom, mit dem man die Haut in langen Streifen ablösen kann, ist von besonderem Wert bei der Behandlung von Brandwunden. Die von anderen Menschen entnommene Transplantate (Homöostransplantation) werden oft nach einiger Zeit abgestoßen. Sie dienen jedoch als provisorischer Schutz für Brandverletzte, bei denen nicht genügend Haut für eine Autotransplantation (Entnahme vom Patienten selbst) verblieben ist.Transplantation von Knorpeln
Knorpel werden an der Vorderfläche der drei untersten Rippen entnommen. Wenn man nur keine Stücke braucht, nimmt man sie von der Ohrmuschel oder der Nasenscheidewand. Diese Art von Transplantationen dienen zur Ausführung eines Stützgewebes bei der Wiederherstellung der Nase oder des Ohres. Bei bestimmten Schäden des gesichts- und Schädelskelett verfährt man in der gleichen Weise. Die Faszien oder Aponeurosen sind dichte Sehnenhäute, die die Muskeln umhüllen. Man verwendet schmale Streifen der seitlichen Oberschenkelaponeurose, um eingefallene Gewebe zu stützen, z.B. bei Lähmungen im Gesichtsbereich (Lied, Mundwinkel). Faszien werden auch als subkutanes "Füllmittel" zur richtigen Formung transplantierter Haut und Füllung beschädigter Gelenkskapseln verwendet.Knochenplastik
Knochentransplantationen werden im großem Umfang zur Vereinigung stehender Knochenbrüche oder als Material zur Defektplastik verwendet. Je nach art des Schadens wird ein Knochenstück vollständig entnommen, oder es werden von ihm Streifen oder Splitter abgelöst, die zusammenwachsen können. Allerdings müssen zum Gelingen der Operation vier Vorraussetzungen erfüllt sein:Nervenplastik
Wenn durch einen Unfall oder Operation ein Gesichtsnerv durchtrennt worden ist, kann die Funktion durch Nervennaht oder Transplantation wiederhergestellt werden. Allerdings stellt sich der normale Zustand nur sehr langsam wieder ein; es kann auch zu Restzuständen der Lähmung führen.Gemischte Plastiken
Zur Auffüllung eingesunkener Zonen im Gesicht in Folge einer Schwäche oder Zerstörung des Fettgewebes überpflanzt man Oberhaut- und Unterhautfettgewebe, zur Korrektur eines schlecht entwickelnden Busens Haut und Fettgewebe aus der Gesäßregion. In beiden Fällen empfiehlt es sich, die Oberhautschicht die die Haarbälge enthält, zu entfernen. Diese Gewebe haben eine große Anpassungsfähigkeit. Um den Nasenflügel zu stützen, verwendet man ein dem Ohr entnommenes Knorpelstück mit beiderseitiger Hautabdeckung. Allerdings muss das Transplantat klein sein, da es andernfalls nicht anwachsen würde. Zur Wiederherstellung eines Augenliedes überträgt man von der anderen Seite Lidknorpel mit Haut und Schleimhaut. Der Spezialist für plastische Chirurgie beschäftigt sich mit zwei Arten von Eingriffen: Mit der Sofortbehandlung von Unfallverletzten und mit der langfristigen Wiederherstellung von Verstümmelungen als Folge von Unfällen. Mit am häufigsten sind bei Straßenverkehrsunfällen Verletzungen des Gesichts, in den schlimmsten Fällen Verbrennungen.Angeborene Anomalien
Unter den angeborenen Anomalien, um deren Korrektur ist die plastische Chirurgie bemüht, wollen wir die Hasenscharte, den Wolfsrachen, das fehlen der Ohrmuscheln, eine übermäßige Entwicklung- oder Unterentwicklung der Kiefer, Muttermale und Missbildungen der Geschlechtsteile erwähnen. Die Wiederherstellung der Ohrmuschel erfordert ein außerordentliches künstlerisches und technisches Geschick. Die Ohrmuschel hat eine komplizierte Struktur. Die Operation besteht in der Entnahme und Präparation eines Rippenknorpelstückes, das auf beiden Seiten mit Haut bedeckt wird. Da die Lebensfähigkeit des Gewebes in jeder Phase gesichert sein muss, erfolgt die Operation in mehreren Abschnitten, um eine allmähliche Herstellung der Gefäßversorgung zu ermöglichen.Hautkrebs
Früher war Syphilis im Abendland die Krankheit, die am häufigsten zu Verstümmelungen führte. Heute ist der Krebs die wichtigste Ursache für Gewebszerstörungen. Andere Krankheiten die zu Verstümmelungen des Gesichts führen sind die Lepra, die Frambösie (Himbeerwarzenkrankheit), im äußeren Erscheinungsbild der Syphilis sehr ähnlich) und verschiedene andere tropische Krankheiten. Bei Lippen- Lid- oder Nasenkrebs entfernt man das befallene Gebiet und nimmt, wenn möglich, eine sofortige plastische Deckung vor. Bei ausgedehnteren Tumoren wartet man nach Totalentfernung des krebsigen Gewebes die Vernarbung ab, da man die Möglichkeit eines Rückfalls in Betracht ziehen muss.